Ernst Rietschel zur Startseite Der Bildhauer
15.12.1804 21.02.1861

» Biographie Ernst Rietschels «

1804
Als drittes Kind des Beutlers und Handschuhmachers Friedrich Ehregott Rietschel (1768-1828) und dessen Frau Caroline (1770-1834) wird Ernst Friedrich August Rietschel am 15. Dezember in Pulsnitz (Sachsen) geboren, wo die Familie in finanziell äußerst bedrängten Verhältnissen lebt.

1810
Erster Mal- und Zeichenunterricht bei dem Pulsnitzer Zeichenlehrer Gottlieb Leberecht Köhler. In den folgenden Jahren trägt Rietschel durch die künstlerische Ausgestaltung von Schießscheiben, Grabkreuzen, Tischdecken, Stammbüchern etc. zum Unterhalt der Familie bei.

1819
Lehrbeginn bei dem Pulsnitzer Kaufmann Christian Gotthold Brückner; Abbruch der Ausbildung nach wenigen Wochen und Rückkehr ins Elternhaus.

1820
Am 5. Mai Eintritt in die Kgl. Sächsische Kunstakademie zu Dresden (Freistelle); Aufnahme des Studiums bei Johann Gotthold Seyfert, Friedrich Matthäi, Ferdinand Hartmann, Jacob Seydelmann, Traugott Leberecht Pochmann und Johann David Schubert. Beginn der lebenslangen Freundschaft mit Julius Cäsar Thaeter.

1821
Im Frühjahr Versetzung in die zweite Klasse (Gipssaal).
Im August beteiligt sich Rietschel erstmalig an der Dresdner Akademie-Ausstellung mit vier Nachzeichnungen, für die ihm eine Prämie von 25 Talern zugesprochen wird.

1822
Im Frühjahr Übertritt in den Aktsaal. Als Auszeichnung seiner in der Akademie-Ausstellung des Jahres präsentierten Zeichnungen erhält Rietschel wiederum eine Geldprämie (30 Taler). Er verkehrt als regelmäßiger Freitisch-Gast im Hause des Dresdner Handschuhfabrikanten Carl Friedrich Bassenge; dort lernt er dessen Enkel, Otto Siegmund Runge, kennen.

1823
Mit mehreren Zeichnungen und rundplastischen Arbeiten nimmt Rietschel an der Dresdner Akademie-Ausstellung teil und wird abermals mit einem Geldpreis ausgezeichnet (20 Taler). Der sächsische Minister Detlev Graf von Einsiedel bietet ihm an, auf seine Kosten die Bildhauerei zu erlernen und dann als Modelleur für sein Eisenwerk in Lauchhammer tätig zu sein. Rietschel geht auf diesen Vorschlag ein und beginnt seine dreijährige Grundausbildung bei dem Hofbildhauer Franz Pettrich. Intensive Freundschaften mit den Künstlern Friedrich Preller, Heinrich Wilhelm Georg, Carl Julius Milde, Christian Kallmeyer und Anton Wilhelm Schilde.

1824
Beteiligung Rietschels an der Dresdner Akademie-Ausstellung mit Zeichnungen und plastischen Arbeiten und Verleihung einer Prämie von 20 Talern an ihn.

1825
Im April und Mai Wanderungen zum Kloster Marienstern, nach Prietitz und durch die Sächsische Schweiz. Im Oktober Reise nach Zittau und Besuch des Klosters Oybin. Rietschels erste selbständig modellierte Skulptur, ein Diskuswerfer, wird auf der Akademie-Ausstellung gezeigt.

1826
Unter großen Schwierigkeiten vollendet Rietschel die für Nordhausen bestimmte Brunnenfigur eines Neptuns. Anfang November Aufbruch nach Berlin, wo er von Christian Daniel Rauch als Schüler aufgenommen wird.

1827
Als erste selbständige Arbeit modelliert Rietschel in der Werkstatt Rauchs die Reliefs der Apostel Petrus und Paulus. Auf Empfehlung seines Lehrers erhält er den Auftrag für einen Entwurf zum Denkmal des sächsischen Königs Friedrich August I. in Dresden; einen ersten Entwurf dafür liefert er im Oktober.

1828
Im April reist Rietschel nach Nürnberg, um als Vertreter der Werkstatt Rauchs an der Grundsteinlegung zum Dürer-Standbild teilzunehmen. Auf der Rückfahrt besucht er Goethe in Weimar.
Im Frühjahr beteiligt er sich an einem Wettbewerb der Berliner Akademie der Künste und gewinnt mit einer Aktzeichnung als Hauptpreis die silberne Medaille. Mit dem Relief "Penelope verläßt Ikarios, um Odysseus zu folgen" geht er als Sieger aus der jährlichen Konkurrenz um das preußische Reisestipendium hervor. Da er als Ausländer diesen Preis nicht annehmen kann, erhält er auf Empfehlung des Senats der Berliner Kunstakademie die Reisegelder von der sächsischen Regierung. Graf Einsiedel entbindet ihn von der Verpflichtung, als Modelleur für Lauchhammer zu arbeiten. Rietschel vollendet die Büste seines verstorbenen Freundes Ferdinand Wiebel; das noch unfertige Tonmodell eines "David" reißt er ein. Am 21. Dezember Tod seines Vaters Friedrich Ehregott Rietschel.

1829
Im Juni Antritt einer Reise mit Rauch nach München; während eines Zwischenaufenthaltes in Weimar Besuch bei Goethe (1. Juli). In München unterstützt Rietschel seinen Lehrer bei den Arbeiten am Maximilian I. Joseph-Denkmal und modelliert die Figur des Vasenmalers für das Giebelfeld der Münchner Glyptothek. Er lernt Bertel Thorvaldsen, Ludwig Schwanthaler, Ludwig Schaller, Moritz von Schwind, Leopold Schulz und Wilhelm von Kaulbach kennen. Ende Oktober reist Rauch nach Italien; während seiner sechsmonatigen Abwesenheit übernimmt Rietschel die Leitung der Arbeiten für das Münchner Königs-Monument. In der Dresdner Akademie-Ausstellung ist seine Zeichnung "Wiedersehen von Jakob und Joseph" zu sehen.

1830
Am 5. August von München aus Aufbruch nach Italien. Über Partenkirchen,Innsbruck, Heiligenblut, Treviso, Venedig, Verona, Mantua, Bologna, Florenz und Perugia erreicht Rietschel Ende September Rom, wo er sich zunächst nur zwei Wochen aufhält, und wo er seine Berliner Freunde Eduard Bendemann, Julius Hübner, Wilhelm Schadow, Karl Ferdinand Sohn und Theodor Hildebrandt trifft. Seit Mitte Oktober Aufenthalt in Neapel, Capri, Pompeji und Paestum; Mitte November Rückkehr nach Rom.

1831
Die überall in Italien aufflammenden politischen Unruhen veranlassen Rietschel vorzeitig, am 23. Februar, zum Aufbruch nach Deutschland. Unmittelbar nach seiner Ankunft in München erhält er den Auftrag, eine Luther-Büste für die Walhalla in Marmor zu arbeiten. Pfingsten Verlobung mit Albertine Trautscholdt, einer Tochter Johann Friedrich Trautscholdts, des Oberfaktors im Eisenwerk zu Lauchhammer. Auf der Dresdner Akademie-Ausstellung ist seine Zeichnung "Einzug Christi in Jerusalem" zu sehen. Er modelliert die Büste seines Freundes Eduard d'Alton. Ende November erhält er den definitiven Auftrag für das Dresdner Friedrich-August-Denkmal.

1832
Vollendung der Luther-Büste für die Walhalla und des lebensgroßen Hilfsmodells für das Dresdner Monument König Friedrich Augusts I. Im Oktober Übertragung der Professur für Bildhauerei an der Dresdner Kunstakademie. Im gleichen Monat (am 12.10.) Vermählung mit Albertine Trautscholdt und Übersiedlung nach Dresden.

1833
Im Sommer erfolgt der förmliche Auftrag für das Giebelfeld und den Portalschmuck des Leipziger Aulagebäudes. Rietschel bezieht sein Atelier auf der Brühlschen Terrasse (im ehem. Gartensaal). Geburt der Tochter Adelheid am 20. September. Neben den großen Arbeiten für Dresden Monument König Friedrich Augusts I. und Leipzig Reliefzyklus im Aulagebäude der Universität, entstehen plastische Bildnisse Carl Otto von Löwensterns, Carl August Boettigers, Fräulein Matthäis, ein Taufstein für die Jakobi-Kirche in Oelsnitz (Vogtland) und die Bildnisreliefs Friedrichs des Weisen und Georgs des Bärtigen. Das Modell der "Milde" für das Friedrich-August-Denkmal ist auf der Dresdner Akademie-Ausstellung zu sehen.

1834
Rietschel begegnet in Dresden David d'Angers, der ihn porträtiert (Bildnismedaillon). Er präsentiert u. a. die Modelle der "Polyhymnia" für das Portal des Leipziger Aulagebäudes und der "Frömmigkeit" für das Friedrich-August-Denkmal auf der Dresdner Akademie-Ausstellung und modelliert die Bildnisse Joseph Thürmers für das Dresdner Akademiegebäude und Bertha Baers. Im Dezember erreicht ihn das Angebot Ludwigs I., eine Professur an der Münchner Akademie zu übernehmen (noch vor Rietschels Entscheidung ändert der König seine Pläne und beruft den aus München gebürtigen Ludwig Schwanthaler).

1835
Am 11. Juli, wenige Wochen nach der Geburt der zweiten Tochter, Johanna, stirbt Albertine Rietschel. Der Bildhauer zeigt das Modell der "Weisheit" für das Friedrich-August-Denkmal auf der Dresdner Akademie-Ausstellung. Im Oktober Reise nach München anläßlich der Enthüllung des Denkmals für Maximilian I. Joseph. Im November Tod der Tochter Johanna. Ende des Jahres Entwurf der ephemeren, für den Dresdner Neumarkt bestimmten Ehrensäule zum 80. Geburtstag König Antons von Sachsen.

1836
Im Januar Ernennung zum ordentlichen Mitglied der Berliner Akademie der Künste, im März zum Ehrenmitglied der Kunstakademie in Wien. Im Juli vollendet Rietschel den Giebel- und Portalschmuck des Leipziger Aulagebäudes, im Oktober erhält er den Auftrag für dessen plastische Innendekoration. Er präsentiert als Entwürfe dafür auf der Dresdner Akademie-Ausstellung Zeichnungen für zwölf Wandreliefs sowie plastische Modelle der Büsten König Antons und der Prinzen Friedrich August, Maximilian und Johann von Sachsen. Ferner entstehen die Bildnisse seines Schwiegervaters Carl Gustav Carus und seiner verstorbenen Frau Albertine. Am 2. November Heirat mit Charlotte Carus.

1837
Auf der Dresdner Akademie-Ausstellung zeigt Rietschel zwei Reliefs für das Leipziger Aulagebäude, die lebensgroße Figur einer wasserschöpfenden Nymphe für Johann Gottlob von Quandt, bestimmt für den Park von Dittersbach und die Zeichnung "Charon". Für den Baron Ludwig von Stieglitz (St. Petersburg) arbeitet er die halblebensgroße Marmorstatue einer Ceres, für die Familie Hedenus ein Grabmal und für das Freimaurer-Logengebäude in der Dresdner Ostra-Allee als Bauplastik Sphingen und Karyatiden. Am 28. August Geburt des Sohnes Wolfgang.

1838
Charlotte Rietschel stirbt am 12. Mai. Der Bildhauer modelliert ihre Bildnisbüste und zeigt auf der Dresdner Akademie-Ausstellung als Arbeiten für das Leipziger Aulagebäude vier Reliefs und die Marmorbüsten König Antons, Friedrich Augusts II. und des Prinzen Maximilian. Bau des eigenen Hauses, in das auch die befreundeten Familien Julius Hübner und Eduard Bendemann einziehen; als programmatischen Fassadenschmuck modelliert Rietschel die Büsten Ghibertis, Michelangelos, Vischers, Canovas, Thorvaldsens und Rauchs. Im Stallhof von Klein-Glienicke, Berlin, wird ein Zweitguß des Nordhäuser Neptuns aufgestellt.

1839
Im August erreicht Rietschel der Auftrag für wesentliche Teile der Bauplastik am ersten Dresdner Hoftheater von Gottfried Semper zwei Giebelfelder; Statuen Glucks, Mozarts, Goethes und Schillers; Zwickelreliefs am Hauptportal. Er vollendet das Bildnis der Wilhelmine Schröder-Devrient und präsentiert auf der Dresdner Akademie-Ausstellung die Marmorbüsten des Königs Friedrich August II. und des Prinzen Johann von Sachsen für das Leipziger Aulagebäude sowie die Marmorstatuette der Petersburger Ceres.

1840
Modellierung der Büste seines Schwiegervaters Johann Friedrich Trautscholdt.

1841
Am 2. Mai Heirat mit Marie Hand. Begegnung mit Thorvaldsen in Maxen (bei Pirna) im Juni des Jahres. Im Juli erhält der Bildhauer den Auftrag für das Standbild Albrecht Thaers in Leipzig. Auf der Dresdner Akademie-Ausstellung zeigt er die Sitzstatuen Goethes und Schillers für das Dresdner Hoftheater.
Er führt die Büste eines Herrn von Sternberg und das Grabmal des Markgrafen Diezmann für die Leipziger Pauliner-Kirche aus und liefert drei Porträts für die Dresdner Freimaurerloge in der Ostra-Allee.

1842
Am 10. Mai Geburt des Sohnes Georg. Es entstehen als kleinere Arbeiten Büsten und Bildnismedaillons von Lida Bendemann, einem Herrn von Thümen, einer Frau Alex, von Herzog Johann zu Sachsen sowie vom Kurfürsten August I. von Sachsen.
Die beiden Giebelfelder des Dresdner Hoftheaters werden an ihrem Platz aufgerichtet.

1843
Am 7. Juni Enthüllung des Friedrich-August-Denkmals in Dresden. Rietschel bricht noch im selben Monat zu einer Reise nach Belgien, Holland und Frankreich auf und besucht in Paris David d'Angers. Im Oktober ergeht an ihn der Auftrag für das Giebelfeld des Berliner Opernhauses. Er führt einen Ausschnitt aus der schon 1829 gezeichneten Komposition "Wiedersehen von Jakob und Joseph" als Relief aus und modelliert dekorative Skulpturen (für den Apotheker Ficinus), die Büste Friedrich Struves und das Modell einer Caritas-Gruppe.

1844
Im Mai wird Rietschel zum Wettbewerb um das Bremer Olbers-Denkmal aufgefordert; im September liegt sein halblebensgroßes Modell vor. Im November Vollendung des Berliner Giebelfeldes. Es entstehen erste Entwürfe für das Dresdner Standbild Carl Maria von Webers, Christengel-Relief, Bildnis-Medaillons seiner Frau Marie und des Sohnes Georg sowie die Büsten von Gottfried Herrmann und Pauline Hübner.

1845
Die Bildnismedaillons der Freunde Ferdinand Hiller, Moritz von Schwind und Eduard Trautscholdt sowie die Büste Heinrich Cottas werden vollendet. Am 8. Oktober Geburt der Tochter Margarethe. Im Dezember erhält Rietschel von einem Privatmann den Auftrag für eine überlebensgroße Pietà.

1846
Im Januar erste plastische Skizze für das Dresdner Denkmal Carl Maria von Webers; im Juni ist das Gußmodell der Thaer-Statue vollendet. Geschaffen werden ferner ein Psyche-Relief sowie Porträtbüsten und Bildnismedaillons von Robert und Clara Schumann, Carl Gustav Carus, Rosa Oppenheim, Clemens W. Coudray, Bernhard Crusen, Dr. G.E. Schumann, Dr. Meinert, Herr von Sydow. Tod der Tochter Margarethe.

1847
Am 19. April Geburt des Sohnes Hermann; im selben Monat Auftrag für das Braunschweiger Lessing-Denkmal. Am 18. Juli stirbt Marie Rietschel. Aufbruch zu einer Reise an den Rhein und nach Süddeutschland. Modellierung des Bildnisses der Prinzessin Anna von Sachsen, der Gedenkmedaille für Carl Gustav Carus sowie der Rundrelief-Porträts Berthold Auerbachs, Heinrich Brockhaus', Heinrich Wilhelm Crusius'und der J.W. Zerboni di Sposetti. Gemeinsam mit Hübner und Bendemann fährt Rietschel am 6. November nach Leipzig, um Felix Mendelssohn Bartholdy auf dem Totenbett zu zeichnen; er erhält den Auftrag für eine Porträtbüste des Verstorbenen. Ende des Jahres Vollendung des Pietà-Modells.

1848
Modelliert wird Ende Januar die Büste Felix Mendelssohn Bartholdys (zwischen 1848 und 1850 dreimal in Marmor wiederholt), im April die Porträtbüste von Gotthold Ephraim Lessing. Ferner entstehen die Bildnisse des Freundes Julius Schnorr von Carolsfeld, der Schwägerin Johanna Eugenia Carus, der Eltern Friedrich Ehregott und Caroline Salome Rietschel (für deren Grabstein auf dem Pulsnitzer Friedhof), des Maciej von Wodzinski (für dessen Grabmal auf dem Dresdner Katholischen Friedhof), des Konsuls Thode, der Königin Maria von Sachsen (Rundrelief), des Herrn von Seidlitz und des H.G. Ruschpler (Rundrelief). Auf der Dresdner Akademie-Ausstellung wird das Gipsmodell der Pietà präsentiert.

1849
Im Juli beendet Rietschel die Arbeit am Gußmodell der Lessing-Statue. Modellierung einer antikisch aufgefaßten Goethe-Statuette und der Bildnisse des Wilhelm Gesenius (Büste), der Josefa Puchalska (für deren Grabmal auf dem Katholischen Friedhof in Dresden), der Frau von Wuthenau, der Kinder des Dr. Köchly, des Herrn von Zehmen und des Fräuleins von Erdmannsdorf (Rundrelief).

1850
Es entstehen Bildnisse der Gräfin Josephine von Olizar und Karl Gutzkows (Rundreliefs), Abraham G. Werners sowie des Prinzen von Glücksburg, ein annähernd lebensgroßes Kruzifix mit trauernder Maria Magdalena sowie dekorative Reliefs "Vier Tageszeiten" und "Amor auf durchgehendem Panther", die Rietschel auf der Dresdner Akademie-Ausstellung präsentiert. Am 28. September wird das Thaer-Denkmal in Leipzig enthüllt, im Oktober erhält der Bildhauer vom preußischen König den Auftrag für die Marmorausführung der Pietà. Er beteiligt sich an der Berliner Akademie-Ausstellung und erlangt die große goldene Preismedaille. Man trägt ihm die Ehrenmitgliedschaft der Münchner Akademie an und ernennt ihn Mitte Dezember zum korrespondierenden Mitglied der Pariser Akademie.

1851
Im Februar ergeht an Rietschel (und zugleich an Ernst Julius Hähnel) der Auftrag für die Bauplastik der Dresdner Gemäldegalerie. Im März erreicht ihn das Angebot einer Professur für Bildhauerei an der Wiener Kunstakademie; er schlägt es aus. Am 30. April heiratet er Friederike Oppermann. Er modelliert ihr Bildnisrelief sowie die Porträts eines Herrn Eckart, eines Professors Reil, einer Frau von Ritzenberg und eines Knaben namens von Egidy (Rundrelief). Im Juni förmlicher Auftrag für das Denkmal Carl Maria von Webers. Mit der Pietà, dem Christengel-Relief sowie dem "Amor auf durchgehendem Panther" beteiligt Rietschel sich an der Londoner Weltausstellung und erhält für seine Arbeiten eine Preismedaille. Im September Aufbruch nach Sizilien zur Heilung seiner Lungenkrankheit.

1852
Ende Juni Rückkehr aus Italien. Im Juli Auftrag für das Doppelstandbild Goethes und Schillers in Weimar. Intensive Arbeit am Bauschmuck der Dresdner Gemäldegalerie; Modellierung des Reliefs "Amor, einen Panther zügelnd" sowie der Bildnismedaillons Eduard Devrients und Franz Liszts (Marmorfassung 1854).

1853
Vollendung eines plastischen Selbstbildnisses (Rundrelief) und Fertigstellung des Bauschmucks für die Gemäldegalerie Dresden Ende des Jahres. Am 4. Juli Geburt der Tochter Gertrud. Enthüllung des Braunschweiger Lessing-Denkmals am 29. September.

1854
Porträtreliefs James Whittles und Friedrich Augusts II. von Sachsen (Rundreliefs), Büste der Marie von Sayn-Wittgenstein (1855 Marmorfassung). Ende Oktober Vollendung der Marmor-Ausführung der Pietà (aufgestellt in der Potsdamer Friedenskirche). Umzug des Ateliers in das Ausstellungsgebäude auf der Brühlschen Terrasse.

1855
Im Sommer beteiligt sich Rietschel mit der Lessing-Statue, der Pietà und dekorativen Reliefs an der Pariser Kunstausstellung; er erhält die Große Ehrenmedaille und wird zum Ritter der Französischen Ehrenlegion ernannt. Er modelliert die Bildnisse Emil Devrients und Bernhard von Lindenaus (Rundreliefs) sowie einen Entwurf für das Gellert-Denkmal in Hainichen (aus finanziellen Gründen erst nach Rietschels Tod von dessen Schüler Wilhelm Schwenk ausgeführt und 1865 enthüllt). Im Juni Auftrag für die Quadriga auf dem Braunschweiger Residenzschloß.

1856
Im April vollendet Rietschel den plastischen Entwurf für die Braunschweiger Quadriga, Ende des Jahres das Gußmodell für das Goethe- und Schiller-Denkmal. Ferner entsteht das Porträtrelief Ludwig Gruners. Ernennung zum Ehrenmitglied der Stockholmer Akademie.

1857
Rietschel besucht im Januar Christian Daniel Rauch in Berlin und modelliert dessen Bildnisbüste (1857/59 dreimal in Marmor ausgeführt). Porträt des Dr. Wolf. Am 4. September Enthüllung des Goethe- und Schiller-Denkmals in Weimar.

1858
Am 26. Januar erhält Rietschel den Auftrag für das Wormser Reformations-Denkmal. Er vollendet die Statuette eines Kindes mit Weintraube, das Modell für die Statue Carl Maria von Webers, die Büste der Ida von Lüttichau sowie die Modelle für die Pferde der Braunschweiger Quadriga. Im Mai wählt man ihn zum Ritter des preußischen Ordens Pour le Mrite für Wissenschaft und Künste; es schließen sich die Ernennungen zum Ehrenmitglied der Akademien von Brüssel und Kopenhagen, ferner zum Mitglied des Institut de France und der römischen Accademia di San Luca an.

1859
Im Mai Fertigstellung der beiden plastischen Alternativ-Entwürfe für das Wormser Reformations-Denkmal. Im August erreicht den Bildhauer das Angebot, die Leitung der Berliner Kunstakademie zu übernehmen; er lehnt es aus gesundheitlichen Gründen ab. Im Laufe des Sommers Vollendung des Modells für den Stempel der Deutschen Kunstgenossenschaft sowie der Porträts Eduard Bendemanns und Bogumil Dawisons (Rundreliefs), Johann Gottlob von Quandts (Reliefmedaillon für das Dresdner Akademiegebäude), des Professors Granowsky (Büste), des Herrn Schletter und des Musikdirektors Mosevius.

1860
Ende März Abschluß der Arbeiten am Modell der Brunonia für die Braunschweiger Quadriga. Umzug der Werkstatt in die Dresdner Ammonstraße Nr.4. Vollendung der Porträtbüste Carl Gustav Carus sowie der Gußmodelle für die Statuen Luthers und John Wyclifs am Wormser Reformations-Denkmal. Am 11. Oktober Enthüllung des Dresdner Standbildes Carl Maria von Webers. Rietschel wird zum Ehrenmitglied der Antwerpener Akademie ernannt. Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide, dennoch beginnt er die Arbeit an der Büste des Professors Wichmann (sie bleibt unvollendet).

1861
Am 21. Februar erliegt Ernst Rietschel seinem langjährigen Lungenleiden; er wird am 24. Februar auf dem Dresdner Trinitatis-Friedhof (an der Westmauer) beigesetzt. Aufruf durch Julius Schnorr von Carolsfeld, Hermann Hettner, Carl Gustav Carus, Ernst Julius Hähnel u. a. zur Gründung eines Rietschel-Museums.

1869
Im August Eröffnung des Rietschel-Museums im Palais im Großen Garten, Dresden.

1876
Am 21. Februar Enthüllung des von Johannes Schilling entworfenen Denkmals für Ernst Rietschel an der Stelle seines einstigen, 1872 abgerissenen Ateliers auf der Brühlschen Terrasse in Dresden.

1889
Am 12. September Übergabe der Bestände des Rietschel-Museums an die Dresdner Skulpturensammlung.

1890
Das nach einem Entwurf von Gustav Kietz geschaffenes Denkmal für Ernst Rietschel wird in Pulsnitz vor dem Rathaus errichtet.

1904
Anläßlich der Centenarfeier Ernst Rietschels wird im Dezember eine umfangreiche Ausstellung seiner Zeichnungen und Skulpturen in der Dresdner Skulpturensammlung präsentiert.

1933
Einrichtung der "Ernst-Rietschel-Kapelle" in der Pulsnitzer St. Nicolai-Kirche durch Pfarrer Johannes Müller (Ausstellung von Zeichnungen und Briefen sowie von Skulpturen in Gipsabgüssen).

1954
Am 12.Dezember Feierlichkeiten in Dresden und Pulsnitz anläßlich des 150. Geburtstages Ernst Rietschels.

1990
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands Gründung des Ernst-Rietschel-Kulturringes in Pulsnitz. Der Ernst-Rietschel-Kunstpreis für Bildhauerei wird von den Wittgensteiner Kliniken gestiftet.

2000
Das Geburtshaus Ernst Rietschels in Pulsnitz wird restauriert und von der Stadt Pulsnitz dem Ernst-Rietschel-Kulturring zur Nutzung als Archiv- und Ausstellungsort übergeben.

2004
Anläßlich der Wiederkehr des 200. Geburtstages Ernst Rietschels wird vom Ernst-Rietschel-Kulturring e.V. ein überregionales Gedenkveranstaltungsprogramm unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten organisiert.
Es beteiligen sich Städte,die mit dem Wirken und Schaffen des Bildhauers in Verbindung stehen (Bautzen, Braunschweig, Dresden, Hainichen, Kamenz, Lauchhammer, Pulsnitz, Weimar, Worms).
Ausstellungen finden in Dresden und Pulsnitz statt.